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Witz über die Migrosgeschenkkarte
Von BTC
Am ersten Tag im Nothilfezentrum bekam ich eine Migrosgeschenkkarte im Wert von zehn Franken und ich musste mein Essen in Winterthur kaufen. Dafür brauchte ich unbedingt ein Billet nach Winterthur.
Es gibt einen Automaten vor dem Heim und ich habe dort den Zielort eingetippt und meine Karte in den Automaten eingeführt.
Die Antwort war unglaublich, der Automat zeigte an: „Lieber Kunde, tut mir leid, Sie müssen sich bei der nächsten Migros-Filiale melden oder mit Herrn Dr. D.S. von der Sicherheitdirektion des Kanton Zürich telefonieren.“
(Abgewiesene Asylsuchende im Nothilfe-Regime bekommen in Zürich ausschliesslich Migros-Gutscheine und kein Bargeld. Wenn keine Migros-Filiale in der Nähe ist, müssen sie das Tram oder den Bus nehmen. Aber Tickets können mit den Gutscheinen nicht gekauft werden… – red.)
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Danke, aber…
Ich, Caral Fernandes*, habe die letzten achteinhalb Jahre in der Schweiz gewohnt. Ich möchte der Schweizer Regierung danken, dass sie uns 10 Franken Migros-Gutscheine pro Tag gibt. Die letzten vier Jahre waren es sechs Gutscheine pro Woche, jetzt bekomme ich sieben.
Obwohl wir dankbar sind für diese Hilfe, möchte ich hiermit festhalten, dass das nicht genug ist für unsere täglichen Bedürfnisse.
Ich hatte zwei negative Asylentscheide. Ich habe keine Arbeit und bekomme keine Bildung. Ich habe die nötigen Papiere nicht, und deshalb darf ich in der Schweiz nicht arbeiten.
Danke für die Aufmerksamkeit.
*Name der Redaktion bekannt.
Übersetzt aus dem Englischen.
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Dieser Text ist nur der Anfang
Ich bin vor acht Jahren zum ersten Mal als Tourist in die Schweiz gekommen. Ich fand das Land schön. Sauber. Und die Leute sehr nett. Auch heute noch. Gesundheit ist das Wichtigste. Wenn man gesund ist, ist das Leben schön. Nur ein paar Sätze möchte ich noch sagen. Ich war in meinem Heimatland gesund und auch in der Schweiz immer gesund. Dieser Text ist nur der Anfang. Ich werde noch mehr schreiben. Wenn ich Zeit habe. Weil ich bis jetzt ein schönes Leben gehabt habe in meinem Heimatland und auch in der Schweiz. Am liebsten möchte ich Interviews machen.
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Boat People
Von BTC
Es war nicht meine Absicht, mein Haus durch den Hinterhof zu verlassen als ich am Morgen aufwachte, aber was sich da auf mein Haus zu bewegte, waren unerwünschte Gäste von der Gemeindepolizei. Diese Leute erklärten meiner Frau, dass sie mit mir sprechen möchten. In diesem Moment bemerkte ich, dass sie mich verhören wollten, da sie dachten, ich sei gegen die Regierungspartei, was ja auch zutreffend war. Dann tat ich eine unglaubliche Sache: Ich verliess mein Haus durch den Hinterhof und versuchte bei meinen Nachbarn Schutz zu finden. Doch es wussten bereits alle, warum ich von der Polizei gesucht wurde, da dies in der Nacht davor von den Bewohnern in einer Bar besprochen wurde. Dann versuchte ich mich für einen Monat zu verstecken, die Polizei war immer vor meiner Haustür – zu jeder Stunde. Sie hofften mich abzufangen, wenn ich nach Hause kam, doch sie hatten kein Glück, ich kehrte nicht mehr nach Hause zurück. Ich wollte nicht ins Gefängnis, ich hatte Angst vor den Dramen, die sich dort Tag für Tag abspielen.
Die Polizei scheint nicht mehr als eine Marionette der Regierung zu sein. Befehle werden ausgeführt – Gerechtigkeit gibt es nicht.
So blieb mir als einziger Ausweg, als einzige Möglichkeit frei zu sein, die Flucht über Metema in den Sudan. Ich bat Familie und Freunde um ein Darlehen, nahm das Nötigste mit und machte mich auf den Weg. Die Reise über die Grenze bis nach Karthum war nicht schwierig. Dort verhandelten wir mit einer Gruppe um die Weiterfahrt nach Libyen, wir waren 33 Personen, davon 9 Mädchen, in einem Toyota. Die Reise durch die Sahara kann man sich nur schwer vorstellen, Sand so weit das Auge reicht und dazu kommt die brennende Hitze der Sonne. Eine Gegend ohne Schutz, Nahrung und Wasser. Um Wasser zu sparen gaben unsere Anführer ein wenig Benzin ins Trinkwasser, damit die Leute nicht zu viel davon tranken.
Nach einer Tagesreise wurden wir von einer Gruppe bewaffneter Männer angegriffen und aufgefordert ihnen alles zu geben, was wir besassen: Geld, Armbänder, Schmuck….
Sie schossen in die Luft um uns klar zu machen, dass sie ohne zu zögern auch uns erschiessen würden, falls wir nicht taten, was sie verlangten. Als sie bei einem Jungen noch Geld fanden, erschossen sie ihn direkt vor unseren Augen.
Nach 5 Tagen erreichten wir die Küste von Libyen – doch nicht alle von uns. Denn die Mädchen wurden von den bewaffneten Männern entführt und an einen Ort gebracht, von dem ich bis heute nichts weiss.
Nun erwartete mich noch der dritte Schritt meiner Misere, die Überquerung des Mittelmeers – mit dem Ziel in ein Land zu kommen, in dem Menschen als Menschen respektiert werden, oder zumindest die Chance besteht ein würdiges Leben zu führen. Bevor ich die Weiterreise antreten konnte, musste ich Geld verdienen, denn die Preise sind überrissen, was eine schwere Belastung darstellte. Es blieb mir also nur die Möglichkeit eine Arbeit zu finden und mit einigen Freunden einen Platz zu suchen, an dem ich bleiben konnte, bis ich das Geld zusammen hatte. Die täglichen Arbeiten, die ich erledigte, reichten nicht aus um dem Elend zu entfliehen. So versuchte ich über Freunde, die schon länger dort waren einen besseren Job zu finden. Nachdem ich während sechs Monaten auf einer Baustelle gearbeitet hatte, hatte ich zumindest genug Geld gespart um das Boot zu bezahlen, das vielleicht erfolgreich das Meer überqueren wird, oder vielleicht auch nicht. Doch die einzige Hoffnung, die mir blieb, war diese Überfahrt. Die Fahrt über das Meer ist nicht gerade eine glückliche Lösung, denn, wenn man Pech hat, wird man zur Nahrung für die Fische oder ertrinkt auf Grund eines gefährlichen Sturms. Nachdem ich den geforderten Betrag bezahlt hatte, hiess es warten, warten warten, denn die Abfahrt hing von den Wetterbedingungen ab.
Eines Tages wurde gesagt, dass das Wetter verhältnismässig gut war und wir die Reise in der Nacht antreten konnten. Das einzige, was ich den Gefahren des Meeres entgegen zu setzten hatte, war das Beten zu Gott. Nach einigen Stunden wurde das Meer unruhig, ich sah die Angst in den Gesichtern der anderen und wir begannen alle um unser Leben zu beten, denn wir haben gehört, dass der Kapitän bereit sei, einige Passagiere über Bord zu werfen, falls das Boot überladen ist. In diesem Moment verfluchte ich meine Regierung, die mich dazu gezwungen hatte, dieses Risiko auf mich zu nehmen. Ich versuchte zu beten, doch ich konnte mich nicht konzentrieren. Nach sieben Tagen der Qual wurden wir von der italienischen Küstenwache gerettet und in eine Kaserne gebracht.
So reiste ich schlussendlich in die Schweiz ein, in der Hoffnung, dass nun endlich alles besser wird. Doch mein Asylgesuch wurde abgelehnt. Zwei Mal wurde ich sogar ins Gefängnis gesteckt. Heute wohne ich in einer Notunterkunft und erhalte nur Migros-Gutscheine zum Überleben.
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Ausweis-Probleme
Anonym.
N – ist kein guter Ausweis und hat keine Zukunft.
N – mit N bekommt man keinen besseren Ausweis.
N – ist nicht für Tiere und soll auch keinen Menschen gegeben werden.
N – mit dem N-Ausweis kann ich nicht arbeiten und nicht zur Schule gehen.
N – ist ein Ausweis, der das Leben dauerhaft beschädigt.
(Asylsuchende im Verfahren bekommen einen Ausweis mit der Bezeichnung „N“ – red.)
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Mein Leben nach dem Gefängnis
Wegen der scharfen Einwanderungsgesetze in der Schweiz werden viele Menschen lange Zeit im Gefängnis eingesperrt. Ich versuche mich beschäftigt zu halten, um nicht an meiner Situation zu zerbrechen. Von John.
Ich bin John aus Kenya und kam im Juli 2006 in die Schweiz. Seither war ich insgesamt zwei Jahre und drei Monate im Gefängnis eingesperrt wegen des Vorwurfs, ich sei „illegal“. Wenn ich aus dem Gefängnis komme, versuche ich immer, mich unter der Woche zu beschäftigen.
Ich besuche am Montag, Mittwoch und Freitag von zwei bis fünf Uhr einen Deutschkurs in der Autonomen Schule. Das hilft mir, deutsch zu lernen und mich mit anderen Menschen auszutauschen. In der Schule nehme ich auch an anderen Projekten wie Theater oder Fotografie teil.
Am Dienstag und Donnerstag besuche ich den Capoeira-Unterricht einer Gruppe namens „Capoeira Geiras“ in Zürich. Das hilft mir, Körper und Geist fit zu halten und Selbstvertrauen zu gewinnen.
Am Donnerstag und Freitag lerne ich mit einer Gruppe von Freunden Musik-Instrumente. Musik ist eines meiner wichtigsten Hobbys. Sie gibt mir Inspiration und entspannt mich.
Während meiner Freizeit zeichne ich und lese inspirierende Bücher. Die Schweizer Migrationsgesetze haben viele Immigranten gebrochen, aber ich habe beschlossen, meine Füsse am Boden zu behalten und meinen Kopf nicht hängen zu lassen.
(Übersetzt aus dem Englischen.)
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Mit Kind von Asylheim zu Asylheim
Von einer besorgten Mutter.
Ich möchte hiermit sagen, dass wir Asylsuchenden immer hin- und hergeschoben werden. Das ist schlimm, besonders für Kinder, die schon im Kindergarten oder in der Primarschule sind. Es ist nicht gut für ihre Zukunft, denn wenn Kindern so etwas passiert, wird ihre Psyche geschädigt. Die Umgebung ändert sich ständig. Sie müssen neue Freunde finden und haben neue Lehrer und müssen sich an sie gewöhnen. Dann ändert sich wieder alles. Das ist eine sehr schwierige Situation, besonders für Kinder.
(Übersetzt aus dem Englischen.)
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8 Franken
Von Vodo*
Ich weiss, dass der Grossteil der Bevölkerung nicht weiss, wie schlimm die Lage ist.
Wir bekommen 8 Franken pro Tag in Form von Migros-Gutscheinen, mit denen wir Essen, Kleider und Fahrtickets kaufen.
Es gibt auch Familien, die in dieser Lage leben.
Telefonkarten können mit Gutscheinen nicht bezahlt werden, um nur ein Beispiel zu nennen.
Sogar ein Hund kann mit 8 Franken pro Tag nicht leben.
* Name geändert
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Bleiberecht für alle
Da alle Menschen gleich und frei geboren sind, haben sie auch das gleiche Recht. In der menschlichen Gesellschaft darf man niemanden diskriminieren. Aber sind die Flüchtlinge keine Menschen, dass sie nicht gleichberechtigt sind, wie die anderen?
Als ich im Iran war, habe ich immer von der Schule geträumt. Dort durfte ich nicht in die Schule gehen, weil ich keine Aufenthaltsbewilligung hatte. Dann bin ich aus verschiedenen Gründen in die Schweiz geflüchtet. Von Anfang an habe ich mich sehr gefreut, dass ich hier die Möglichkeit hatte, um mich für einen Job auszubilden. Weil man immer von Menschenrecht und Gleichheit gesprochen hat. Ich glaube, jeder Mensch hat das Recht, in die Schule zu gehen und zu lernen.
Damals war ich noch nicht volljährig, darum habe ich in einem Asylheim für minderjährige Asylsuchende gewohnt. Ich habe mir selbst versprochen, mein Bestes zu tun, um Deutsch zu lernen und danach eine Lehre zu absolvieren. Ich wollte meinen Traum in Realität verwandeln. Als ich 18 Jahre alt geworden bin, musste ich mich von der Schule verabschieden, weil man mir die Schule nicht mehr bezahlt hat
Ich lebe immer noch von der Sozialhilfe, habe keine Arbeit und keine Möglichkeit, etwas zu lernen. Ich möchte unbedingt eine Beschäftigung haben. Aber leider sind alle Wege versperrt.
Der Autor möchte aus naheliegenden Gründen anonym bleiben.
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